Naturschutz in der Nachbarschaft: Waldameisen

Hallo Deutschland!

Große Wiesenameise (Formica pratensis)
Große Wiesenameise (Formica pratensis); Foto: Wikipedia
Waldameisen-Hinweisschild
Waldameisen-Hinweisschild; Entwurf: H. Knust

Ich wohne ländlich in Garbsen in der Region Hannover. Meine Wohnstraße ist ein befestigter ehemals landwirtschaftlicher Weg. So wie es meine Zeit zulässt, gehe ich hier auch gerne in der Feldmark und im Wald spazieren und beobachte dabei die heimische Flora und Fauna.

Überrascht und erfreut war ich im letzten Sommer, als ich eine neue Kolonie Waldameisen im Feld neben meiner verlängerten Wohnstraße entdeckte und beobachten konnte. Diese Tiere sind sehr selten geworden in Deutschland und auch in meiner Region.

Seit Kindesbeinen war mir von meinem Vater der Schutzstatus der Tiere vermitttelt worden. So war ich darum auch besorgt, dass diese neue Ameisen-Ansiedlung durch unabsichtliches Überfahren von landwirtwschaftlichen Fahrzeugen zerstört werden könnte. Ich insistierte bei meiner Kommune mit Hinweis auf den besonderen Schutzstatus der Tiere und konnte, auch mit Unterstützung des Naturschutzbeauftragten der Region Hannover, eine Sicherung des noch kleinen Ameisenhügels durch zwei von der Stadt aufgestellte Bakenschilder erwirken. Die Schutzmaßnahmen wurden sodann vom Team Abteilung Stadtgrün und Friedhöfe der Stadt Garbsen installiert.

Leider schien diese Maßnahme nun besonders sachunkundige Mitbürger anzuziehen, die im Forscherdrang, was sich wohl im Hügel verbergen könnte, diesen sichtbar mit ihren Füßen mehrfach auseinander traten. Vandalismus! Hier half auch nicht mein mehrfacher Versuch, den Hügel wieder zu „reparieren“. Die nächste Zerstörung folgte kurzfristig.

Als zusätzliche Schutzmaßnahme schlug ich daher der Stadt als Grundstückeigentümerin die Errichtung einer Schutzpyramide vor. Diese Maßnahme wurde alsbald umgesetzt und hat nun offensichtlich auch den besonderen Schutzstatus des für manchen Menschen wohl ominösen Hügels kenntlich gemacht.

Es sind nunmehr noch von der Stadt zugesagt Hinweisschilder für die Passanten geplant, die sie kurzfristig installieren wird. Die Stadt hatte sich dabei nach meinem Vorschlag für die hier gezeigten Entwürfe entschieden.

Merkmale, Lebensweise, Nestbau, Ernährung
Die neue Waldameisen-Ansiedlung
Die neue Waldameisen-Ansiedlung

Die Vertreter der Waldameisen gehören zu den eher auffälligen Ameisen in Mitteleuropa. Die Arbeiterinnen können Körperlängen von über einem Zentimeter erreichen und sind deutlich zweifarbig.

Die Waldameisen überwintern ohne Brut und ohne Geschlechtstiere, da die Königin bereits im Spätsommer die Eierproduktion einstellt und sich alle Entwicklungsstadien bis zum Winter zu Arbeiterinnen entwickelt haben.

Die Vertreter aus der Untergattung Serviformica bauen gewöhnliche Erdnester mit kleinen Kuppeln. Besonders auffällige Nester errichten die hügelbauenden Waldameisen, welche die in Europa heimischen Arten aus den Untergattungen Formica, Coptoformica und Raptiformica umfassen. Diese Ameisenhügel können bei Formica rufa und Formica polyctena eine Ausdehnung von mehreren Metern erreichen und sind an Waldrändern oder Lichtungen zu finden. An besonnten Plätzen werden die Streukuppeln eher flach angelegt. Je schattiger der Standplatz der Kuppeln, desto höher wird der Hügel.

Die Waldameisen sind Allesfresser und ernähren sich überwiegend von den Ausscheidungen der Baumläuse, dem sogenannten Honigtau. Damit wird der Großteil ihres Energiebedarfs abgedeckt. Daneben jagen sie als Prädatoren andere Insekten am Boden und auf Bäumen in der näheren Nestumgebung. Diese proteinreiche Kost dient der Aufzucht der Brut.

Bedeutung, Schutzstatus
Die neue Waldameisen-Ansiedlung
Die neue Waldameisen-Ansiedlung

Waldameisen gelten als wichtiger Teil des Ökosystems im Wald, da sie einerseits viele Forstschädlinge (wie den Borkenkäfer) fressen, andererseits als Nahrungsgrundlage für Tiere wie den Grünspecht dienen. Sie spielen auch bei der Verbreitung von Samen und der Belüftung des Bodens eine Rolle.

Die hügelbauenden Waldameisen gehören in Deutschland nach der Neufassung der Bundesartenschutzverordnung vom 16. Februar 2005 wieder zu den besonders geschützten Tierarten. Demnach dürfen sie nach § 42 des Bundesnaturschutzgesetzes nicht der Natur entnommen oder gar getötet werden. Jeder Eingriff in die Neststruktur ist strengstens untersagt. Es besteht ein Besitz- und Handelsverbot.

Viele Waldameisen gelten als gefährdet und sind in der Roten Liste gefährdeter Arten geführt.

Waldameisen-Hinweisschild
Waldameisen-Hinweisschild Version 2; Entwurf: H. Knust

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